Amniozentese oder Fruchtwasserpunktion

Wie

Durch die Bauchdecke der Schwangeren werden mit einer Hohlnadel aus der Fruchtblase einige Milliliter Fruchtwasser entnommen. Der Einstich erfolgt unter Ultraschallkontrolle. Das entnommene Fruchtwasser enthält u.a. abgelöste Zellen des Ungeborenen, von denen eine Zellkultur angelegt wird.

Wann

Der Eingriff wird in der Regel ab der 16. Schwangerschaftswoche vorgenommen. Die Ergebnisse liegen meist nach 2–4 Wochen vor.

Warum

Die Amniozentese wird eingesetzt zur gezielteren Diagnose nach auffälligem Ersttrimestertest oder Ultraschallbefund. Wenn in der Familie eine schwere Erbkrankheit vorhanden ist oder in einer vorausgegangenen Schwangerschaft Chromosomenabweichungen festgestellt wurden, kann durch eine Amniozentese diagnostiziert werden, ob ein Ungeborenes von einem genetischen Defekt betroffen ist.

Die Ergebnisse der Amniozentese sind sehr genau und Fehldiagnosen selten. Festgestellt werden können Chromosomenstörungen, wie z.B. Trisomien, von denen das Down-Syndrom das Bekannteste ist. Weiterhin können Neuralrohrdefekte („offener Rücken“) sowie Erbkrankheiten, z.B. schwere Muskel- und Stoffwechselerkrankungen, festgestellt werden.

Vor- und Nachteile/Risiken

Die Wartezeit auf die Ergebnisse ist relativ lange und kann von der Schwangeren als sehr belastend empfunden werden. Nach dem Eingriff können Krämpfe, Wehen, Fruchtwasserverlust oder leichte Blutungen auftreten. Das Fehlgeburtsrisiko bei dem Eingriff wird von 0,3–1% angegeben. Zwar können Erkrankungen und Chromosomenabweichungen diagnostiziert werden; der Schweregrad eines Krankheitsbildes kann jedoch häufig nicht vorhergesagt werden. Als Nebenbefunde tauchen manchmal Veränderungen der Geschlechtschromosomen auf. Auch Mosaikbefunde (nicht alle untersuchten Zellen weisen den gleichen Befund auf) können nicht ausgeschlossen werden. Wenn das Ergebnis nach einer Fruchtwasserpunktion auffällig und beunruhigend ist, kann sich die Frage nach einem Schwangerschaftsabbruch stellen. Ein Schwangerschaftsabbruch zu diesem späten Zeitpunkt ist in jedem Fall eine unter Wehenmitteln künstlich eingeleitete Geburt.

Schwangerschaftserleben

Der Eingriff wird manchmal als schmerzhaft und unangenehm sowie bedrohlich für das Ungeborene erlebt. Die lange Wartezeit auf den Befund ist belastend und wird häufig als „Schwangerschaft auf Probe“ empfunden, was wiederum die Mutter-Kind-Beziehung beeinträchtigt, da sich die Schwangere noch mit ihrer Freude auf das Kind zurückhält.

Hierdurch bedingt werden auch die Kindsbewegungen meist erst verspätet wahrgenommen. Die Auseinandersetzung mit der Frage eines möglichen Schwangerschaftsabbruchs bei auffälligem Befund bedeutet eine große Verunsicherung in der Schwangerschaft.

 

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